Grüne Welle, Weißwasser, Shorebreak, Tube & Co. – wie erkennst du sie, und was bedeutet das fürs Surfenlernen?
In diesem Guide bekommst du eine leicht verständliche Einführung in die verschiedenen Wellentypen und ihre Eigenschaften. Dazu: konkrete Tipps, wie du sie surfst – oder wann du besser Abstand hältst. Ideal für alle, die gerade starten oder das nächste Level anpeilen.
Warum du die Wellentypen kennen solltest
Stell dir vor: Du paddelst voller Motivation los – und landest direkt in einer Closeout-Welle, die dich abwirft. Oder du verpasst den besten Abschnitt, weil du die Schulter nicht erkennst.
Die Lösung: Surf smarter, nicht härter.
Je besser du die verschiedenen Wellenarten erkennst, desto gezielter kannst du anpaddeln, deinen Take-Off timen und deine Linie finden.
Ob du also gerade erste Weißwasserfahrten machst oder versuchst, deine erste grüne Welle sauber abzureiten – Wellenverständnis ist der Schlüssel.
Wellentypen, Brechungsarten & Untergründe
Je nach Tide kann ein Surfspot radikal oder weniger radikal laufen. Genauso verhält es sich mit On- und Offshore, dem auf- und ablandigen Wind. Der auflandige Wind schiebt Weißwasser ins Wellental.
Offshore verzögert die Wellenbrechung. Die Welle will brechen, der ablandige Wind hält aber dagegen. Dadurch baut sich die Welle immer weiter auf. Irgendwann muss sich die Energie aber entladen und schmeißt die Wellenlippe nach vorn. Offshore-Wellen brechen meist hohl und schnell. Solche Bedingungen sind ideal zum Tube-Riding.
Die beliebtesten Bedingungen sind Glassy-Wellen. Ist es windstill, liegt das Meer still da und scheint mit dem Horizont zu verschmelzen. Wie aus dem Nichts bauen sich Wellengruppen aus mehreren perfekten, glatten Wellen auf.
Weißwasser (gebrochen)
Als Weißwasserwelle bezeichnet man die weiße, schäumende Walze nach dem Bruch der Welle. Sie dient als perfekter Einstieg ins Surfen! Du brauchst keine präzise Take-Off-Position, die Energie ist gut kontrollierbar – ideal, um Boardkontrolle, Balance und Pop-Up-Technik zu üben.
So surfst du im Weißwasser:
- Lass dich vom Weißwasser erfassen, während du liegst – dann aufstehen, sobald du spürst, dass du mitgeschoben wirst.
- Zuerst geradeaus surfen, Knie leicht gebeugt, Schultern über den Hüften.
- Später kannst du durch leichte Gewichtsverlagerungen oder das Öffnen der Schulter erste Richtungswechsel üben.
Grüne Wellen
Als grüne Welle bezeichnet man eine Welle, die noch nicht gebrochen ist. Eine ungebrochene Welle zu surfen, ist das Ziel für jeden Surfanfänger. Erst, wenn der Take-off im Weißwasser gelingt, geht es schließlich ins Line Up zu den ungebrochenen Wellen. Grüne Wellen sind der „echte“ Surf – hier lernst du, schräg die Welle entlangzufahren, Turns zu machen und mit der Wellenenergie zu spielen. Das Ziel aller Anfänger:innen ist es, vom Weißwasser in die grüne Welle zu wechseln.
So surfst du sie:
- Positionieren: Lege dich frühzeitig bereit – etwas seitlich versetzt vom Peak, sodass du schräg („down the line“) in die Welle starten kannst.
- Timing: Beginne rechtzeitig zu paddeln, bevor die Welle dich erreicht – idealerweise genau dann, wenn sie dich leicht anhebt.
- Pop-Up: Mit Blick nach vorn (nicht aufs Board!), zügig und entschlossen aufstehen.
- Fahrtechnik: Nutze kleine Gewichtsverlagerungen (Trimmen), um Geschwindigkeit und Balance zu regulieren.
Shore Break
Als Shore Break werden Wellen genannt, die direkt auf den Strand, eine Sandbank oder in sehr flaches Wasser brechen. Diese Wellen sind meist hohl und besonders kraftvoll. Den Shore Break zu surfen ist sehr schwer und gefährlich, da die gesamte Kraft der Welle gegen den Untergrund gerichtet ist.
Risiko: Hohe Verletzungsgefahr, weil der Untergrund direkt unter der brechenden Welle liegt. Ein Sturz kann dich gegen Sand oder Steine werfen – besonders kritisch bei Ebbe.
Empfehlung: Für Anfänger:innen ist Shorebreak tabu – hier fehlt Raum und Zeit für einen sicheren Take-Off. Selbst Fortgeschrittene müssen genau wissen, was sie tun.
Wenn du dort surfst, dann nur bei sehr kleinen Bedingungen und mit absoluter Spotkenntnis.
Tube
Eine Tube – oder auch Barrel genannt – ist eine schnelle, teils hohle Welle. Sie entsteht, wenn sich eine Welle überschlägt und die Lippe auf die Wasseroberfläche bricht. Dabei entsteht ein Tunnel (Röhre) mit einer Öffnung zu einer Seite, aus der man mit genügend Geschwindigkeit hindurchfahren kann. Für viele Surfer ist der Barrel- oder Tube-Ride das ultimative Surf-Erlebnis.

Close Out
Close Out bezeichnet eine Welle, die gleichzeitig auf ihrer gesamten Länge bricht. Wenn das der Fall ist, kann sie in keine Richtung abgesurft werden.
Was tun?
- Nicht reinstarten – du wirst sofort abgeworfen.
- Energie sparen und auf die nächste saubere Set-Welle warten.
- Bei vielen Closeouts: Spot oder Position leicht wechseln.
Reformer
Reformer nennt man eine gebrochene Welle, die sich im weiteren Verlauf neu aufbaut und erneut bricht.
Double Ups
Von einem Double Up spricht man, wenn zwei Wellen zu Einer verschmelzen. Meist kombinieren die Wellen ihre Energie und eine besonders starke und oft hohle Welle entsteht. Steile, hohl brechende Double Ups bieten oft sehr gute Barrel-Möglichkeiten.
Stehende Welle
Stehende Wellen sind Wellen, die sich nicht bewegen, sondern durch Strömungen entstehen. Es gibt echte stehende Wellen, die in Flüssen entstehen und künstliche Wellen. Der wohl bekannteste River-Spot in Deutschland ist die Eisbachwelle in München. Künstliche Wellen kommen mittlerweile in den verschiedensten Formen vor und ermöglichen das Surfen in der Stadt.
Brechungsarten & Wind
Beach, Reef & Point: Die Brechungsarten
Beachbreak
Sandboden, brechende Sandbänke, ständig wechselnd
Reefbreak
Feste Unterlage (Fels/Riff), definierte Linie
Pointbreak
Welle läuft an Landzunge entlang, lange Schultern
Offshore-Wind:
Bläst vom Land aufs Meer, stützt die Lippe → sauberere, steilere Wellen mit späterem Bruch.
✓ Ideal für grüne Wellen & Tubes.
Onshore-Wind:
Bläst vom Meer aufs Land, drückt Weißwasser ins Wellental → kabbelig, chaotischer, kürzere Ritte.
✓ Eher schwierig für Anfänger:innen.

