Wind & Gezeiten – Das kleine 1×1 für Surf-Anfänger*innen
Du stehst am Strand, das Brett unter dem Arm, die Wellen rollen rein – aber irgendwas passt nicht. Die Wellen sind chaotisch, der Wind drückt dich ständig vom Brett und das Wasser zieht dich wie ein Fluss in die falsche Richtung. Willkommen im echten Leben eines Surfers – denn wer surfen will, muss lernen, Wind und Gezeiten zu lesen. Aber keine Sorge, das ist kein Hexenwerk – wir erklären dir, worauf es ankommt!
Wetterkunde für Surfer*innen: Tiefdruck bringt Wellen, Hochdruck bringt Qualität
Das Wetter ist der große Regisseur hinter den Wellen. Und es beginnt weit draußen auf dem Atlantik – dort, wo sich Tiefdruckgebiete zusammenbrauen. Diese bringen kräftige Winde mit sich, die über das Meer peitschen und Energie in Form von Wellen Richtung Küste schicken. Je stärker und konstanter der Wind weht, desto größer und sauberer wird der sogenannte Swell – also das Wellenpaket, das irgendwann bei deinem Surfspot ankommt.

Aber Achtung: Zieht das Tief direkt über deinen Spot hinweg, weht der Wind oft direkt auf die Wellen (Onshore) – das macht sie kabbelig und schwer surfbar.
👉 Ideale Kombination?
- Weit draußen ein kräftiges Tief = starker Swell
- Vor Ort ein stabiles Hochdruckgebiet = wenig Wind & ruhige Bedingungen
So entstehen diese magischen Glassy-Momente am Morgen, wenn die Wellen wie perfekte Linien in die Bucht laufen.
🌬️ Onshore vs. Offshore – Warum Windrichtung so entscheidend ist
Jetzt wird’s konkret:
Onshore bedeutet, der Wind weht vom Land aufs Meer. Klingt erstmal okay, ist aber schlecht für Wellenqualität – denn der Wind drückt die Wellen frühzeitig zum Brechen, macht sie chaotisch und unberechenbar. Besonders für Anfänger*innen wird das Take-off dann schnell zur Rutschpartie.
Offshore dagegen ist Gold wert: Der Wind weht vom Meer Richtung Land, bremst die Wellen beim Aufbauen leicht ab, wodurch sie sauberer, steiler und einfacher zu surfen sind. Genau das willst du!
💡 Surf-Tipp:
Früh aufstehen lohnt sich! Morgens ist der Wind meist noch offshore – die perfekte Zeit für deine erste Session. Gegen Mittag dreht er oft auf onshore, abends kann sich das Spiel nochmal umdrehen.
🌑 Gezeiten verstehen: Low, Mid, High – jede Tide bringt andere Bedingungen
Die Gezeiten (engl. „tides“) ändern sich zweimal täglich – und mit ihnen die Surfbedingungen. Das beeinflusst nicht nur, wann die besten Wellen laufen, sondern auch, wo du am besten ins Wasser gehst.
🔻 Low Tide (Ebbe)
Bei Low Tide sind Strömungen kräftiger als bei Hochwasser und die Outside bricht radikal. Auf der Inside laufen Schaumwalzen und du kannst entspannter auf die Sandbank laufen.
- Das Wasser ist am niedrigsten
- Die Wellen brechen weiter draußen (Outside) und oft hohl und kraftvoll
- Es gibt stärkere Strömungen, z. B. Rips
- Auf der Inside oft lange Weißwasser-Wellen – super für Anfänger zum Üben
Tipp: Bei Low Tide siehst du gut, wo Sandbänke oder Felsen liegen – super für Spot-Check!
🔁 Mid Tide (Halbzeit)
Bei Mid Tide herrscht die größte Veränderung und die Bedingungen ändern sich deutlich. Bei Mid to Low Tide werden Strömungen immer kräftiger. Bei Mid to High Tide lassen Strömungen eher nach und der Shorebreak kann entstehen. Hier ist am meisten Bewegung im Wasser – sowohl im guten als auch im schwierigen Sinne.
- Zwischen Mid to Low Tide: Strömungen werden stärker, oft anstrengender zu paddeln
- Zwischen Mid to High Tide: Bedingungen werden ruhiger, aber der Shorebreak (Wellen, die direkt am Strand brechen) kann kraftvoll werden
Tipp: Viele Spots funktionieren am besten bei steigendem Wasser (Mid to High) – beobachte also, wie sich dein Spot über den Tag verändert.
🔺 High Tide (Flut)
Bei High Tide bricht die Outside je nach Wellengröße sanfter und Strömungen lassen nach. Auch auf die Inside brechen jetzt größere und kräftigere Wellen. Unter die Weißwasserwellen mischen sich auch kleine grüne Wellen und Wellen, die sich wieder neu formen.
- Das Wasser steht am höchsten
- Die Wellen brechen oft näher an Land, sanfter auf der Outside
- Auf der Inside mischen sich Weißwasser-Wellen mit kleinen, surfbaren grünen Wellen
Tipp: Super für Anfänger, wenn der Spot nicht zu steil ist – sanfte Wellen, weniger Strömung und kürzerer Weg zum Line-up.
📲 Tools & Surf-Apps: So checkst du Wind & Tiden richtig
Ein paar clevere Apps helfen dir, jederzeit den Überblick zu behalten:
- Surfline: Live-Cams, Forecasts & Tutorials
- Windy: Super genaue Windkarten
- Tide Forecast: Gezeitenpläne für jeden Spot weltweit
Wind und Gezeiten sind wie die versteckten Spielregeln des Surfens. Wer sie kennt, surft bessere Wellen, spart Kraft und hat mehr Spaß. Es lohnt sich also, ein bisschen Zeit in die Planung deiner Sessions zu stecken. Und hey – selbst wenn der Wind mal nicht mitspielt: Jede Minute im Wasser bringt dich weiter.




