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  • Industry Talk: Salzwasser
9. Dezember 2020 Magazin

Industry Talk: Salzwasser

Wir wollen euch als aller erstes die Gelegenheit geben euch einmal vorzustellen. Wer steckt hinter Salzwasser? Wie kam es zustande und was macht ihr überhaupt genau?

Wir sind Jan (27) und Lennart (27) aus Norddeutschland. Jan kommt von Norderney und Lennart aus Bremen, wo wir uns während dem Studium kennengelernt haben. Da wir beide Surfen und die Liebe zum Meer teilen, kam uns 2014 die Idee ein Label zu gründen. Was mit ein paar T-Shirts anfing, die wir unter Freunden und Bekannten verkauften, ist seit Ende 2019 unser beider Vollzeit Job. Wir haben das Social Business SALZWASSER mit dem Anspruch gegründet, eine ganzheitliche nachhaltige Bekleidungsmarke zu etablieren und gleichzeitig Unternehmen anders zu denken. Wir nutzen Kleidung als Plattform, um Aufmerksamkeit für die Herausforderungen, aber auch Potenziale der marinen Ökosysteme, der Ozeane und Meere zu schaffen. Mit einem festen Betrag von 1-4 € pro verkauftem Artikel fördern wir entsprechende Umweltschutzprojekte – regional, wie international.

Über nachhaltigere Materialien und faire Arbeitsbedingungen in den Lieferketten hinaus, wollten wir in einem Unternehmen schon immer jeden Stein umdrehen, für Ganzheitlichkeit stehen und umfangreiche Transparenz bieten.

Woher kam der Gedanke nachhaltige Kleidung zu Produzieren und worauf achtet ihr bei der Produktion besonders?

Mit SALZWASSER sollen Überzeugungen tragbar werden. Ganz nach dem Motto “wear your conviction”. Denn Kleider machen Leute. Kleidung ist auffällig und weckt Interesse. Kleidung dient als Ausdrucksform und es wird viel drüber geschnackt. So kann es Ausgangspunkt für Austausch und Diskussionen sein.

Gleichzeitig ist die Textilindustrie nicht nur die zweitschmutzigste Industrie der Welt, sondern zeigt auch immer prekäre und unzumutbare Arbeitsbedingungen – irrsinnige Ausuferungen eines ausbeuterischen Systems.

Für uns stellen höchste ökologische und soziale Standards in der gesamten Lieferkette den Rahmen für unser Handeln. Das ökonomische, also finanzielle, versuchen wir in diesen Rahmen zu bringen, nicht umgekehrt. Die Prioritäten sind klar.

Inwiefern unterscheidet ihr euch von anderen Klamotten Brands?

Unaufgeregt, robust und hochwertig: Das SALZWASSER-Sortiment zeichnet sich durch schlichtes, nordisches Design und hochqualitative Materialien aus. Das urbane Casual-Sortiment soll keiner kurzlebigen Modeerscheinung nachgehen, sondern Lieblingsteile für die Ewigkeit werden. Produziert wird ausschließlich in Europa: In Norddeutschland und Portugal. Fast alle Teile von SALZWASSER sind GOTS-zertifiziert. Die Merino-Wolle, die für einige Mützenmodelle genutzt wird, stammt außerdem aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT).

Außerdem bietet SALZWASSER volle Transparenz und die Möglichkeit, mit dem Kauf hochqualitative, langlebige Kleidung zu tragen, mit der man Statements setzt, während gleichzeitig der Meeres- und Ozeanschutz gefördert wird.

Und Surfen?  Gibt es dort eine besondere Verbindung zur Fashion-Industrie?

Natürlich gibt es den Bereich „Surf-Fashion“ mit einigen bekannten Marken, die einen klaren Fokus auf den Surfsport haben – für Surfer*innen stellt das vornehmlich auch eine Ausdrucksform des Lebensstils dar.

Die Themen Mikroplastik und Ozeanverschmutzung bringen Fashion und Surfen dann doch nochmal auf einer weiteren Ebene zusammen. Durch private Waschgänge von Kleidung mit Polyesteranteilen oder anderen chemischen Fasern gelangt Mikroplastik über Umwege in die Ozeane & stellt hier große Schäden für die marinen Ökosysteme an. Mehr Infos zu der Mikroplastik Problematik gibt es z.B. unserer Website unter „Die Geschichte der Meere“, die wir gemeinsam mit der Community erzählen.

Surfen bedeutet für uns eine starke Verbundenheit zum Meer. Nirgendswo sonst spürt man die Gewalt der Natur so sehr wie an den Küsten und in den Wellen.

Wir glauben, dass Surfer grundsätzlich eine tiefe, emotionale Verbindung zum Meer haben & sich deswegen auch mehr mit dem Thema der Verschmutzung der marinen Ökosysteme auseinandersetzen. 

Surfer*innen müssen also aus unserer Sicht zu bewussteren Konsument/innen von Alltagskleidung werden, die auf synthetische Fasern verzichtet.  

Zudem habt ihr einen Gemeinnützigen Verein gegründet. Welche Ziele verfolgt ihr mit diesem und wie können sich die Leute daran beteiligen?

Der gemeinnützige SALZWASSER-Verein ist Teil des Social-Business-Modells – einerseits Vehikel, um Spendengelder zu sammeln und andererseits eine Möglichkeit für Menschen, sich zu engagieren und aktivistischer zu werden. Der Verein wird durch Spendengelder der Marke unterstützt und akquiriert weitere Fördergelder über Veranstaltungen, weitere Unternehmen oder Stiftungen. Die Arbeit im Verein findet bisher ausschließlich ehrenamtlich statt und zuletzt wurde ein Kooperationsprojekt gefunden, um den Schutz und die Restoration von Mangrovenwäldern unterstützen.

Um noch mehr Aufmerksamkeit für unsere Projekte zu erzielen, planen wir Bildungsevents, die sobald wie möglich wieder stattfinden sollen. Wir freuen uns unglaublich darauf, hoffentlich bald wieder persönlich zusammenkommen zu können, um gemeinsam etwas zu bewegen. Das Ladenbüro in Hamburg soll ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration werden. Film-Screenings, Vorträge, Podiumsdiskussionen und Foto-Ausstellungen rund um das Thema Meer und Meeresschutz, Mode und Nachhaltigkeit sind geplant.

Gibt es noch andere Projekte und Events an denen ihr beteiligt seid?

Für andere Projekte fehlt gerade noch die Zeit & auch die aktuelle Situation gibt es nicht her, aber es ist einiges geplant. Wir möchten uns in den Bereichen Wissenschaft, Sport & Fotografie rund um die marinen Ökosysteme vernetzen, um gemeinsam Aufmerksamkeit zu schaffen. Beispiele sind Podiumsdiskussionen, Film-Screenings oder Foto-Ausstellungen, die das Meer für eine breite Masse zugänglicher machen & die Schönheit dieses wunderbaren Teils unsere Planeten zeigen.

Worauf achtet ihr, wenn ihr selber auf Reisen seid und gibt es etwas, an dem sich andere Surfer eventuell ein Beispiel nehmen können?

Vor ein paar Jahren sind wir noch durch die Weltgeschichte geflogen, um die besten Wellen zu bekommen. Darauf verzichten wir gerne. In Europa gibt es schicke Wellen & hier sind wir nun vornehmlich mit dem Auto unterwegs.

Wie immer sollte man sich fragen: Brauch ich das wirklich? Muss das wirklich sein?

Es tut gut, die Dinge und Orte wertzuschätzen, die Einen umgeben. In Europa, auch in Deutschland haben wir viele schöne und interessante Orte. Auch lange Küstenlinien mit vielen interessanten Spots zum Surfen. Es bieten sich so viele Möglichkeiten, die die Umwelt und nebenbei auch den eigenen Geldbeutel schonen.

Im Alltäglichen Leben empfiehlt sich natürlich jegliche Art der Müllvermeidung und die Wahl von Produkten, die ökologische und soziale Kosten nicht externalisiert. Das gilt für das Reisen, wie für jeglichen anderen Konsum.

Hört sich nach einem straffen Zeitplan an. Kommt ihr dabei selber noch viel aufs Wasser oder bleibt das manchmal auf der Strecke?

Natürlich haben wir viel auf dem Zettel. Da ist es gar nicht so einfach, regelmäßig zum Surfen zu kommen. Die aktuell angespannte Situation durch Corona macht es außerdem schwierig, ins Wasser zu kommen, das geht wahrscheinlich Vielen so. Normalerweise sind wir im Frühjahr in Portugal bei den dortigen Produktionspartnern, um Artikel final abzustimmen & weiter an einer langfristigen persönlichen Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort zu arbeiten.

Wir werden zukünftig definitiv versuchen, wieder die ein oder andere Session in den Terminkalender einzuplanen. Auch aus Hamburg wollen wir wieder öfter an die Nordsee kommen, um mal wieder in heimatnähe eine Runde ins Wasser zu springen. Da freuen wir uns schon drauf.

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